„Ich habe einfach keine Geduld dafür.“
Diesen Satz habe ich in letzter Zeit öfter gehört, wenn ich jemandem vorgeschlagen habe, doch mal zum Töpfern ins Atelier zu kommen. Und jedes Mal denke ich: Ist es wirklich die Geduld? Oder steckt vielleicht etwas ganz anderes dahinter?
Denn erstaunlicherweise haben wir für ziemlich viele Dinge Geduld. Wir kümmern uns um Familie, Haushalt, Tiere, Termine und all die Kleinigkeiten, die im Alltag eben erledigt werden müssen. Wir warten beim Arzt, stehen im Stau, machen zum hundertsten Mal die Küche sauber und erklären Kindern Dinge gerne auch ein zweites oder drittes Mal.
Aber drei Stunden für etwas, das einfach nur uns selbst Freude macht?
Plötzlich wird Zeit knapp.
Ich kenne das ziemlich gut.
Gefällt dir, was du liest?
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Bei mir musste früher vieles möglichst schnell klappen. Vor allem in der Schule. Und am besten gleich richtig.
Ausprobieren, scheitern und noch einmal anfangen gehörte nicht unbedingt zu den Dingen, für die es besonders viel Anerkennung gab. Gute Leistung dagegen schon.
Vielleicht kommt daher bei vielen von uns dieser Gedanke:
Wenn ich etwas nicht sofort kann, bin ich vermutlich nicht dafür gemacht.
Und beim Töpfern funktioniert genau das nicht.
Natürlich kannst du beim ersten Mal etwas Schönes herstellen. Aber Ton macht nicht immer genau das, was du dir vorgestellt hast. Manchmal fällt etwas zusammen. Manchmal sieht eine Idee im Kopf besser aus als das fertige Stück. Und manchmal brauchst du eben einen zweiten Versuch.
Für mich war das allerdings irgendwann gar nicht mehr das eigentliche Problem.
Mein viel grösseres Problem war etwas anderes.
Bevor ich das Töpfern für mich entdeckt habe, war ich irgendwann einfach nur noch erschöpft. Körperlich und seelisch. Ich funktionierte.
Da war immer irgendetwas, das noch erledigt werden musste. Familie, Haushalt, Arbeit und all die kleinen und grossen Aufgaben, die scheinbar niemals aufhören.
Du musst noch dies machen.
Du darfst das nicht vergessen.
Und danach solltest du unbedingt noch jenes erledigen.
Komischerweise fand sich dafür immer irgendwie Zeit. Nur für mich selbst nicht.
Und genau darin lag mein eigentlicher limitierender Glaubenssatz.
Nicht:
„Ich habe keine Geduld fürs Töpfern.“ Sondern eher: „Für so etwas habe ich keine Zeit.“
Oder noch ehrlicher: „Ich darf mir dafür keine Zeit nehmen.“
Irgendwann sprang ich trotzdem ins kalte Wasser und buchte mir meinen ersten Töpferkurs.
Die Kinder waren versorgt. Es stand kein wichtiger Termin an. Eigentlich gab es keinen vernünftigen Grund, es nicht zu tun.
Ausser meinem schlechten Gewissen.
Also fuhr ich hin.
Und plötzlich passierte etwas, das ich fast vergessen hatte.
Ich musste für ein paar Stunden nichts organisieren.
Keine Wäsche nebenbei zusammenlegen. Keine Termine koordinieren. Nicht überlegen, was noch eingekauft werden muss oder was am nächsten Tag ansteht.
Da waren nur der Ton, meine Hände und die Frage: Was mache ich daraus?
Für mich fühlten sich diese Stunden irgendwann ein bisschen wie kleine Ferien vom Alltag an. Nicht wie drei Wochen am Meer. Aber drei Stunden, in denen ich einfach mal aus meinem normalen Funktionieren ausgestiegen bin. Und genau das tat unglaublich gut.
Ich bin im Atelier, ich mache mein Ding – und zwischendurch gibt's Kaffee aus einem selbstgemachten Becher.
Das Spannende ist: Töpfern braucht tatsächlich Geduld. Nur vielleicht anders, als viele denken. Du sitzt nicht drei Stunden vor einem Klumpen Ton und wartest darauf, dass irgendetwas passiert. Du arbeitest.
Du formst, probierst aus, drückst etwas wieder zusammen und fängst vielleicht noch einmal neu an. Und irgendwann kommt ein Punkt, an dem du schlicht nichts mehr tun kannst.
Der Ton muss trocknen. Ein Stück muss gebrannt werden.
Danach kommt vielleicht noch die Glasur und anschliessend ein weiterer Brand.
Du kannst dich auf den Kopf stellen – schneller geht es deswegen trotzdem nicht.
Der Ton hat seinen eigenen Rhythmus.
Und ich glaube, genau das tut uns manchmal ziemlich gut.
Denn wir sind inzwischen daran gewöhnt, dass fast alles sofort verfügbar ist.
Heute bestellt, morgen geliefert.
Eine Nachricht verschickt – und am liebsten fünf Minuten später eine Antwort.
Information gesucht – innerhalb von Sekunden gefunden.
Und dann kommt ein Stück Ton daher und sagt sinngemäss: Nö. Ich trockne jetzt erst einmal. Eigentlich ziemlich sympathisch.
Im Alltag sind wir Frauen Meisterinnen darin, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen.
Während die Waschmaschine läuft, wird schnell das Bad geputzt. Nebenbei noch eine Nachricht beantwortet, ein Termin vereinbart und vielleicht schon überlegt, was es am Abend zu essen gibt.
Beim Töpfern funktioniert das nicht besonders gut.
Wenn du gerade eine Wand hochziehst, einen Henkel ansetzt oder eine Oberfläche gestaltest, bist du mit deinen Gedanken ziemlich schnell genau dort. Bei deinem Werkstück.
Deine Hände haben etwas zu tun und der Kopf bekommt eine Pause von all den anderen Dingen.
Für manche fühlt sich das anfangs vielleicht sogar ungewohnt an.
Denn du „erledigst“ in diesem Moment nichts von deiner normalen To-do-Liste.
Und trotzdem tust du etwas Sinnvolles.
Du machst etwas für dich.
Das war für mich irgendwann die eigentliche Erkenntnis.
Ich musste nicht erst ein geduldiger Mensch werden, bevor ich mit dem Töpfern anfangen durfte. Die Geduld kam beim Machen.
Viel wichtiger war, mir überhaupt zu erlauben, diese Zeit zu nehmen.
Und nein: Nicht jedes Stück gelingt. Nicht jede Idee sieht hinterher so aus, wie du sie dir vorgestellt hast. Manches braucht zwei Versuche. Oder drei.
Und manchmal ist genau das eben perfekt unperfekt.
Du darfst ausprobieren.
Du darfst etwas wieder zusammendrücken.
Du darfst feststellen: Das war wohl nichts – ich versuche es anders.
Und irgendwann hältst du etwas in der Hand, das du selbst gemacht hast.
Nicht irgendwo bestellt.
Nicht einfach aus einem Regal genommen.
Sondern aus einem Klumpen Ton mit deinen eigenen Händen geformt.
Das fühlt sich ziemlich gut an.
Beim Töpfern entsteht vieles Schritt für Schritt – und manches braucht eben seine Zeit.
Dann mach dir den Einstieg nicht komplizierter, als er sein muss.
Du brauchst weder eine eigene Drehscheibe noch ein komplett ausgestattetes Keramikatelier.
Gerade beim Handaufbau kannst du mit wenigen Dingen anfangen. Einiges davon findest du vermutlich sogar in deiner Küche.
Wenn du erst einmal schauen möchtest, wie der Einstieg funktioniert, kannst du meinen Artikel für Töpfer-Anfängerinnen lesen. Dort zeige ich dir, wie du unkompliziert loslegen kannst.
Und wenn du lieber Schritt für Schritt vorgehst, findest du in meinem Workbook ebenfalls eine Anleitung von der ersten Idee bis zum fertigen Stück.
Dann probier es trotzdem einmal aus.
Mittwochs ist mein Töpferatelier in Hausen am Albis geöffnet. Melde dich dafür gerne an.
Im offenen Atelier arbeiten wir an unseren eigenen Projekten, tauschen Ideen aus, trinken auch mal einen Kaffee und sprechen über Glasuren genauso wie über das ganz normale Leben.
Für mich gehört genau das inzwischen genauso zum Töpfern wie Ton, Werkzeug und Glasur.
Ein paar Stunden, in denen nicht wichtig ist, was zu Hause noch erledigt werden könnte.
Sondern nur, was gerade vor dir auf dem Tisch liegt.
Also bring deine Ungeduld ruhig mit.
Die legst du beim ersten Klumpen Ton vielleicht schneller ab, als du denkst.
Und wenn du keinen neuen Beitrag verpassen möchtest, trag dich gern für meinen Newsletter ein. Dort bekommst du Töpfer-Tipps, Einblicke hinter die Kulissen meines Ateliers und erfährst, was bei antjes-art gerade entsteht.
Ich glaube fest daran, dass wir nie zu alt,
zu beschäftigt oder zu eingespannt sind, um etwas Neues zu lernen.
Perfektion ist dabei gar nicht das Ziel – der erste Schritt zählt.
Und genau diesen Schritt darfst du dir erlauben.
Mir ist wichtig, dass Lernen und Kreativität nicht schwer, sondern leicht und erfüllend sind.
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Dieses Workbook ist dein Einstieg in eine neue Art der Selbstfürsorge. Perfekt unperfekt. Einfach.
Ehrlich, kreativ, wohltuend.
Du wirst sehen: Sobald du beginnst, mit Ton zu arbeiten, beginnt auch in dir wieder etwas zu fliessen.
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