Früher war ich beim Thema Steingutton ziemlich festgelegt.
Für mich war das vor allem ein Ton für Deko. Schön, ja. Aber nicht unbedingt etwas, woraus ich ernsthaft Geschirr oder andere alltagstaugliche Keramik machen wollte. In meinem Kopf war Steinzeugton klar die bessere Wahl: robuster, dichter und irgendwie einfach verlässlicher.
Heute sehe ich Steingutton deutlich differenzierter. Nicht, weil ich jetzt plötzlich alles daran super finde oder ab sofort nur noch damit arbeiten möchte. Sondern weil ich gemerkt habe, dass ich ihn viel zu schnell in eine Schublade gesteckt habe.
Seit Februar 2026 hat sich mein Blick darauf verändert. Und genau das eröffnet mir beim Töpfern wieder mehr Möglichkeiten.
Gerade beim Töpfern merke ich immer wieder, dass es selten nur den einen richtigen Weg gibt. Das zeigt sich auch bei der Frage: Drehscheibe oder Handaufbau – was ist für Anfänger besser?
Noch vor ein paar Wochen war mein inneres Motto beim Töpfern: «Steinzeug ist gut, Steingut ist Zeug».
Steinzeugton war für mich immer die sichere Nummer. Man kann ihn hoch brennen, er wird dichter und hält im Alltag einfach einiges mehr aus. Genau das mochte ich daran. Wenn ich etwas töpfere, soll es ja nicht nur schön aussehen, sondern oft auch gut benutzbar sein.
Beim Steingutton war ich dagegen immer skeptisch. Ich hatte einfach Erfahrungen gemacht, die meine Meinung ziemlich geprägt haben. Wenn ich zum Beispiel eine Vase daraus getöpfert hatte und sie später befüllt auf dem Tisch stand, war da irgendwann diese feuchte Stelle darunter. Trotz dick aufgetragener Glasur. In meinem Kopf war das Thema damit eigentlich schon durch. Ich dachte mir: Wenn das passiert, dann ist der Ton für alles, was mit Flüssigkeit zu tun hat, eher nichts.
Also habe ich ihn innerlich abgestempelt. Ziemlich schnell sogar.
Und ja, das hatte auch Folgen.
Ich erinnere mich noch gut an eine Situation aus der Zeit, als ich im Café in der Bäckerei Betschart in Bonstetten gearbeitet habe. Dort durfte ich meine Keramiken ausstellen und auch verkaufen. Einige Stücke fanden tatsächlich neue Besitzerinnen und Besitzer, was mich natürlich sehr gefreut hat.
Eine Frau kam damals auf mich zu und fragte mich, ob ich ihr ein Geschirrset aus Steingutton töpfern könnte. Und ich sagte ihr ziemlich überzeugt, dass das keine gute Idee sei. Für mich war klar: Steingut sei nach dem Glasurbrand nicht dicht genug und deshalb für so etwas ungeeignet.
Heute denke ich: Das war schon eine ziemlich enge Sichtweise.
Denn rückblickend glaube ich, dass ich mir damit einen richtig schönen Auftrag selbst verbaut habe. Damals war ich überzeugt von dem, was ich sagte. Heute sehe ich eher, wie festgefahren meine Sicht auf das Material eigentlich war.
Geändert hat sich mein Blick am 26. Februar 2026. Passendes Datum, oder? 😅
Ich nahm an einem Online-Töpferkurs teil und habe per Zoom zusammen mit anderen Frauen eine Märchentasse getöpfert. Geleitet wurde der Kurs von Töpfer Tobi, den ich über eine Facebook-Gruppe gefunden hatte. Das war übrigens wirklich eine sehr schöne Erfahrung. Gemeinsam töpfern, sich austauschen und trotzdem jede bei sich zuhause sein – das hatte schon was.
Während wir an unseren Tassen arbeiteten, kamen wir irgendwann auf das Thema Steingutton zu sprechen. Und genau da fiel ein Satz, der bei mir hängen blieb. Er meinte, er müsse mal mit einem Mythos aufräumen: Man könne durchaus auch Geschirr aus Steingutton herstellen.
Das war für mich im ersten Moment ein echter Aha-Moment.
Nicht, weil ich sofort alles umgeworfen habe, was ich vorher dachte. Ich habe zum ersten Mal gemerkt, dass ich bei diesem Thema vielleicht viel zu festgelegt, zu festgefahren oder auch blockiert war.
Dass sich meine Sicht auf ein Thema beim Töpfern verändert, ist nicht das erste Mal. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich schon, als ich mich intensiver mit Raku beschäftigt habe.
Spannend fand ich in diesem Zusammenhang auch den Gedanken, dass früher ganz selbstverständlich mit anderen Voraussetzungen getöpfert wurde als heute.
Es gab keine riesige Auswahl an Spezialtonen, keine moderne Keramikszene mit unendlich vielen Möglichkeiten und auch nicht überall denselben Anspruch, dass alles maximal dicht, pflegeleicht und belastbar sein muss.
Und trotzdem wurde Keramik im Alltag genutzt – zum Aufbewahren, Servieren, Essen und Trinken.
Natürlich unter anderen Bedingungen als heute und sicher nicht für alles gleich gut geeignet. Aber allein dieser Gedanke hat bei mir schon etwas verändert. Nicht im Sinn von: Früher war alles besser. Eher im Sinn von: Vielleicht habe ich Steingutton wirklich vorschnell unterschätzt.
Diese 3 Bilder zeigen alte Steinguttöpfe, die wir sogar benutzt hatten. Ist lange her. Aber ich kann mich noch dunkel dran erinnern.
Heute würde ich nicht mehr sagen, dass Steingutton nur für Deko taugt. Ich sehe inzwischen deutlich mehr Möglichkeiten darin. Nicht grenzenlos. Aber eben auch nicht mehr so abwertend wie früher.
Für mich ist heute eher die Frage entscheidend: Wofür soll das Stück am Ende genutzt werden?
Denn natürlich macht es einen Unterschied, ob ich eine Schale, eine Tasse oder etwas töpfere, in dem dauerhaft Flüssigkeit oder empfindlichere Lebensmittel stehen sollen. Da würde ich auch heute noch unterscheiden und genauer hinschauen. Dinge wie Butter, Milch oder anderes, was sich stärker festsetzen kann, sehe ich bei poröserem Material nach wie vor kritischer.
Aber genau dieses Differenzieren ist für mich heute der Punkt. Früher war mein Urteil sehr pauschal. Heute denke ich eher in Einsatzbereichen.
Auch die Glasur spielt natürlich eine wichtige Rolle. Sie kann die Oberfläche verbessern und einiges ausmachen. Trotzdem würde ich Stücke aus Steingutton eher von Hand abwaschen, statt sie ganz selbstverständlich in den Geschirrspüler zu stellen. Nicht aus Angst, sondern weil ich die Eigenschaften des Materials heute ernster nehme.
Und ganz ehrlich: Ich mag diese neue Sicht auf Steingutton.
Sie macht mein Denken weiter. Sie gibt mir wieder mehr Möglichkeiten. Und sie erinnert mich daran, dass man auch beim Töpfern nie ausgelernt hat.
Ich habe Steingutton früher unabsichtlich klein gemacht, weil ich so stark auf Steinzeug fixiert war. Heute würde ich das nicht mehr so machen. Ich würde ihn nicht für alles verwenden. Aber ich würde ihn ganz sicher auch nicht mehr einfach in die Deko-Ecke schieben.
Hier töpfere ich mit Steingutton. Es entsteht eine Kugel - für Dekozwecke.
Doch meine Neugier ist geweckt. Ich werde sicher wieder mal Gebrauchsgeschirr aus Steingut töpfern.
Steingutton ist für mich heute nicht plötzlich der neue Superstar unter den Tonarten. Aber er ist eben auch nicht mehr einfach „die schlechtere Version“. Und genau das ist der Unterschied.
Ich glaube, meine Meinung hat sich vor allem deshalb verändert, weil ich gemerkt habe, wie schnell man Materialien in Schubladen steckt. Einmal eine schlechte Erfahrung gemacht, einmal etwas für sich beschlossen – und schon wird daraus gefühlt eine Wahrheit.
Bei mir war das mit Steingutton genauso.
Heute schaue ich offener darauf. Und das gefällt mir. Denn es bringt wieder etwas zurück, das beim kreativen Arbeiten enorm wichtig ist: Neugier.
Und vielleicht ist genau das eine der schönsten Seiten am Töpfern überhaupt. Dass man nie fertig ist mit Lernen. Dass man Dinge neu bewerten darf. Und dass aus einer festen Meinung plötzlich wieder echtes Ausprobieren wird.
Wenn du generell gern mehr über meinen Weg mit Ton und Keramik lesen möchtest, schau auch mal in meinen Beitrag darüber, warum ich als Töpferin blogge.
Wenn du selbst gerne mit Ton arbeiten möchtest oder neugierig bist, was mit verschiedenen Tonarten alles möglich ist, dann schau dich gerne bei meinen Kursen oder im offenen Atelier um.
Manchmal reicht schon ein einziges Stück Ton, um den eigenen Blick auf Keramik komplett zu verändern.
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