Samstag, 06.06.2026.
Ein Datum, das sich fast zu schön anhört, um einfach nur ein normaler Samstag zu sein. Manche heiraten an solchen Tagen, weil man sich das Datum so gut merken kann.
Bei uns hiess es an diesem Samstag nicht „Ja, ich will“, sondern eher:
Ja, ich will töpfern.
Ja, ich will Raku ausprobieren.
Ja, ich bin gespannt, was daraus wird.
Für insgesamt fünf Frauen – vier Teilnehmerinnen plus ich – begann heute Tag 1 meines Raku-Workshops.
Und ich kann schon mal sagen: Es wurde kreativ, konzentriert, zwischendurch knifflig und an manchen Stellen auch ziemlich lustig.
Wir trafen uns um 09:00 Uhr im Atelier.
Bevor es an den Ton ging, kamen erstmal die wichtigen Dinge dran:
Wie lange dauert der Workshop?
Wo ist das WC?
Wo steht die Kaffeemaschine?
Das sind so die Basics drumherum.
Natürlich ging es danach auch darum, was Raku eigentlich ist. Denn bevor man etwas für den Rakubrand töpfert, sollte man zumindest grob wissen, worauf man sich da einlässt.
Ganz einfach gesagt: Raku ist eine besondere Brenntechnik, bei der die Keramikstücke später glühend heiss aus dem Ofen genommen werden. Danach kommen sie in brennbares Material, zum Beispiel Sägespäne oder Papier. Dadurch entstehen diese typischen Oberflächen, Risse, Farbspiele und Überraschungen, die man vorher nie ganz genau planen kann.
Und genau das macht Raku so spannend.
Wenn du genauer wissen möchtest, was Raku ist und was dabei passiert, kannst du gerne meinen Blogartikel dazu lesen: Raku - Was es ist und was nicht
Alternativ kannst du hier auch auf Wikipedia weiterlesen: Raku-Keramik - Wikipedia
Die meisten Teilnehmerinnen hatten vor vielen Jahren das letzte Mal getöpfert. Also durfte ich sie im Grunde wie Anfängerinnen behandeln.
Und das ist gar nicht negativ gemeint. Im Gegenteil.
Gerade beim Töpfern ist es oft gut, wenn man nicht zu viel im Kopf hat. Dann geht man vorsichtiger, neugieriger und manchmal auch freier an die Sache heran.
Als erstes wurde festgelegt, was überhaupt entstehen soll.
Zwei Teilnehmerinnen entschieden sich für Herzen. Ein grösseres Herz sollte später Teil einer Stele mit Holz werden. Ein kleineres Herz war einfach zum Hinlegen gedacht.
Eine Teilnehmerin wollte drei unterschiedlich grosse Kugeln töpfern.
Und die vierte Teilnehmerin entschied sich für ein Huhn.
Ich fand es total spannend zu beobachten, wie unterschiedlich jede an ihr Projekt heranging. Manche waren sehr vorsichtig, fast so, als könnte der Ton jeden Moment zerbrechen. Ein Stück weit stimmt das natürlich auch. Aber in diesem Stadium ist der Ton noch feucht und verzeiht mehr, als man denkt.
Das ist etwas, das man erstmal lernen muss: Ton hält mehr aus, als man ihm am Anfang zutraut.
Den Grundaufbau haben wir bei den Herzen mit kleinen Tonstücken gemacht.
Oder wie wir hier sagen: mit Möckli.
Diese Tonstücke wurden leicht überlappend in eine Gipsform gelegt und miteinander verstrichen. Danach kontrollierten wir, ob der Rand breit genug ist, damit später beide Teile gut miteinander verbunden werden können.
Denn einfach nur zusammendrücken reicht nicht.
Die Ränder müssen angeraut und mit Schlicker bestrichen werden. Schlicker ist im Grunde flüssiger Ton und wirkt wie eine Art Kleber zwischen den einzelnen Teilen.
Falls du nicht genau weisst, was das ist, lies gerne meinen Blogartikel: Töpferglossar Aufbautechnik.
Danach wurden die beiden Herzhälften zusammengesetzt, gut verbunden und aussen geglättet.
Klingt einfach.
Ist es aber nicht immer.
Vor allem das Herauslösen aus der Form war etwas knifflig. Bei den grösseren Herzen ging es einfacher als bei den kleineren. Aber wir haben es hinbekommen.
Und genau darum geht es ja auch beim Töpfern: nicht darum, dass jeder Handgriff sofort sitzt, sondern darum, Stück für Stück weiterzumachen.
Am Ende lagen da zwei Herzen, die vorher nur als Idee im Kopf waren.
Und genau diesen Moment mag ich am Töpfern so sehr.
In diesen Gipsformen entstanden die Herzen.
Zwischendurch machten wir fünf eine gemeinsame Mittagspause im Atelier.
Und das war nicht einfach nur „schnell etwas essen“.
Jede hatte etwas mitgebracht. Auf dem Tisch standen Nudelsalat, Gurkensalat, Erdbeeren mit Joghurt, Aprikosen-Apfel-Wähe, Apfelmuffins, frisch gebackenes Brot und noch ein paar andere feine Sachen.
Also eigentlich fast schon ein kleines Buffet.
Wir sassen zusammen, assen, redeten und genossen die Pause. Solche Momente gehören für mich irgendwie dazu. Man ist nicht nur im Atelier, um etwas zu „produzieren“. Man darf auch kurz durchatmen, Kraft sammeln, lachen, erzählen, sich austauschen und einfach da sein.
Nach der ersten intensiven Töpferrunde tat diese Pause richtig gut.
Ein bisschen Energie tanken, bevor es wieder zurück an die Töpferarbeiten ging.
Eine Teilnehmerin entschied sich dafür, ein Huhn zu töpfern.
Sie hatte schon eine recht klare Vorstellung im Kopf.
Zuerst ging es darum, eine Kugel herzustellen. Auch hier arbeiteten wir mit Tonstücken, die in zwei Halbkugeln eingelegt und miteinander verstrichen wurden.
Dann wurden die beiden Hälften zu einer ganzen Kugel zusammengefügt. Alles wurde sauber verstrichen, geglättet und in Form gebracht.
Und dann kam der kleine Schockmoment für sie.
Ich sagte ihr, dass wir oben wieder ein Loch hineinschneiden müssen. Mit grossen Augen sah sie mich an: „Wie bitte? Ich habe das doch gerade schön gemacht!“
Kurz stand wirklich die Frage im Raum, ob aus dem Huhn nicht doch lieber eine Kugel bleiben sollte.
Und ganz ehrlich: Ich konnte das gut verstehen.
Wenn man gerade mühsam eine geschlossene Form aufgebaut hat, fühlt es sich erstmal falsch an, wieder hineinzuschneiden. Aber genau solche Momente gehören beim Töpfern dazu. Manchmal muss man etwas wieder öffnen, damit daraus etwas anderes entstehen kann.
Also fasste sie sich ein Herz und arbeitete weiter an ihrer Idee.
Nachdem das Loch drin war, wurde es wieder teilweise verschlossen. So entstand eine Art Rücken für das Huhn. Aus einem Kegel formte sie Hals und Kopf. Danach kamen Schnabel, Augen, Kamm und die Schwanzfedern dazu.
Alles aus Ton.
Und plötzlich war da kein neutrales rundes Objekt mehr auf dem Tisch, sondern ein Huhn mit Charakter.
Was ich an diesem Tag wieder einmal gesehen habe:
Aufhören ist beim Töpfern manchmal schwerer als Anfangen.
Eine Teilnehmerin war sehr perfektionistisch unterwegs. Sie sah immer wieder Stellen, an denen noch etwas gemacht werden musste. Hier noch glätten. Dort noch ein bisschen Ton dazu. Eine kleine Beule ausgleichen. Eine Kante verbessern.
Ich kenne das selbst sehr gut.
Man sieht immer noch etwas.
Noch eine Stelle. Noch eine Unebenheit. Noch eine Kleinigkeit, die nicht ganz so ist, wie man es gerne hätte.
Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem ein Stück nicht unbedingt besser wird, sondern nur anders.
Und genau das ist beim Töpfern manchmal die eigentliche Übung: zu merken, wann es genug ist.
Nicht perfekt. Aber fertig.
Oder zumindest fertig für den Moment.
Das ist gar nicht so einfach. Gerade wenn man gewohnt ist, Dinge kontrollieren zu wollen.
Ton hat da seine ganz eigene Art, einem etwas beizubringen.
Eine weitere Teilnehmerin töpferte drei unterschiedlich grosse Kugeln.
Eine davon entstand ebenfalls mit kleinen Tonstücken, die vom Block abgekratzt und in die Halbkugeln der Gipsform gelegt wurden.
Die zwei grösseren Kugeln wurden aus Tonplatten geformt. Das geht natürlich schneller als mit vielen einzelnen Tonstücken. Aber einfacher ist es deshalb nicht unbedingt.
Runde Formen sehen oft schlicht aus. Aber gerade deshalb verzeihen sie wenig.
Wenn etwas nicht ganz rund ist, sieht man es schnell. Wenn die Verbindung nicht sauber gearbeitet ist, merkt man es später. Und wenn man zu sehr daran herumdrückt, verändert sich die Form wieder.
Auch das gehört dazu.
Töpfern sieht von aussen manchmal gemütlich aus. Ist es auch. Aber es braucht trotzdem Konzentration, Gefühl und Geduld.
Am Ende des Tages standen einige sehr unterschiedliche aber doch einzigartige Tonarbeiten auf dem Tisch.
Herzen. Kugeln. Ein Huhn.
Und jede Arbeit hatte ihre eigene Geschichte.
Jetzt dürfen die Stücke erstmal in Ruhe trocknen. Danach kommen sie in den ersten Brand, den sogenannten Schrühbrand. Erst danach sind sie bereit für den eigentlichen Rakubrand.
Und genau darauf freuen wir uns jetzt schon.
In ungefähr vier Wochen wird es dann richtig spannend. Dann geht es an den Rakuofen. Dann kommen Feuer, Rauch, Hitze und Überraschung ins Spiel.
Denn beim Raku kann man zwar viel vorbereiten, aber nie alles kontrollieren.
Und vielleicht ist genau das der Reiz daran.
Für mich war dieser erste Workshop-Tag wieder eine schöne Erinnerung daran, warum ich solche Kurse so gerne mache.
Am Anfang liegt da einfach nur Ton auf dem Tisch.
Ein paar Stunden später stehen dort Herzen, Kugeln, ein Huhn und vier Frauen, die gemerkt haben:
Da entsteht etwas.
Nicht perfekt. Nicht komplett planbar. Aber echt.
Und genau das macht Töpfern für mich aus.
Jetzt heisst es: trocknen lassen, brennen, gespannt bleiben.
Ich freue mich jetzt schon auf Tag 2.
Mein Blog ist wie ein Atelier voller Inspirationen. Hier kannst du stöbern, entdecken und Ideen sammeln.
Ich glaube fest daran, dass wir nie zu alt,
zu beschäftigt oder zu eingespannt sind, um etwas Neues zu lernen.
Perfektion ist dabei gar nicht das Ziel – der erste Schritt zählt.
Und genau diesen Schritt darfst du dir erlauben.
Mir ist wichtig, dass Lernen und Kreativität nicht schwer, sondern leicht und erfüllend sind.
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