Ein Pferd auf Schneeflockenpapier, ein Seestern auf einer Weihnachtskarte und eine Karte mit eingebauten Taschen: Beim Gestaltungsnachmittag in der Bibliothek Rifferswil hatten acht Kinder ihre ganz eigenen Ideen. Am 28. Oktober 2026 durfte ich Chris dabei unterstützen, mit ihnen Weihnachtskarten in Collagentechnik zu gestalten.
Normalerweise arbeite ich im Atelier hauptsächlich mit Ton. Zuhause kommen aber genauso gerne Papier, Farben und andere Bastelsachen auf den Tisch. Als Chris, die Leiterin unseres Gemeinschaftsateliers, mich fragte, ob ich mithelfen möchte, musste ich deshalb nicht lange überlegen.
Die Bibliothek bietet diesen Nachmittag jedes Jahr gegen Ende des Jahres an. Acht Kinder können sich anmelden und haben zwei Stunden Zeit, unter Anleitung ihre eigenen Karten zu gestalten.
Weil Chris etwas kürzertreten möchte, würde sie mir den Nachmittag ab nächstem Jahr gerne übergeben. Diesmal konnte ich also erst einmal mitmachen und schauen, ob das etwas für mich ist.
So viel vorweg: Ja, das ist es.
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Am Mittwoch sassen von 16 bis 18 Uhr sechs Mädchen und zwei Jungs um einen langen Tisch. Mit dabei waren Chris, ich und zwei Mitarbeiterinnen der Bibliothek.
Der Tisch war extra für diesen Nachmittag aufgestellt worden: zwei lange Bretter auf drei Böcken, mit Folie abgedeckt. Darauf lag jede Menge Material. Bedruckte und unbedruckte Karten, buntes Papier, weihnachtliches Geschenkpapier, Seidenpapier, Stoffreste, Ölkreiden, Kleister, Scheren und Stempel.
Auch Zeitschriften und alte Bücher durften auseinandergenommen werden. Die Kinder konnten ganze Seiten oder einzelne Motive heraustrennen, miteinander kombinieren und auf ihre Karten kleben. Genau darum ging es bei den Collagen: Aus verschiedenen Materialien sollte etwas Eigenes entstehen.
Ein festes Motiv gab es nicht. Jedes Kind durfte seine Weihnachtskarten so gestalten, wie es wollte.

sämtliches Bastelmaterial liegt auf dem Tisch
Zuerst erklärte Chris, was wir alles mitgebracht hatten und wofür sich die Materialien verwenden liessen. Danach wurde erst einmal geblättert, geschaut und überlegt.
Welches Bild nehme ich? Welches Papier passt dazu? Und darf ich eine Karte, auf der schon etwas drauf ist, einfach überkleben?
Gerade bei dieser letzten Frage merkte ich die Unsicherheit. Eine eigentlich fertige Karte verändern und etwas darüberkleben? Ja, genau das war erlaubt.
Nach dem ersten Schnipsel ging es dann richtig los. Die Kinder schnitten, rissen, klebten und stempelten. Ab und zu wollte jemand wissen, ob zwei Dinge zusammenpassen. Die meiste Zeit folgten sie aber ihren eigenen Ideen. Gegen Ende wollten sie fast nicht mehr aufhören.
Dieser Übergang vom Überlegen ins Machen war für mich der schönste Moment des Nachmittags.
Und irgendwann musste ich selbst zu Papier und Schere greifen. Nur danebenstehen und zuschauen ist beim Gestalten sowieso nicht so mein Ding. Ausserdem steckte mich die Energie der Kinder an. Bei all den Ideen am Tisch bekam ich Lust, selbst etwas auszuprobieren. So entstanden nebenbei auch zwei eigene Karten.

passende Motive werden ausgeschnitten

meine eigenen zwei in Collagentechnik gestalteten Karten
Spannend fand ich, wie unterschiedlich die Kinder arbeiteten. Ein Mädchen gestaltete zehn Karten. Ein anderes machte eine einzige, dafür ganz sorgfältig und mit viel Überlegung. Beides hatte an diesem Tisch Platz.
Ein Junge verriet uns, dass er eine Karte für sich selbst machte. Am folgenden Sonntag würde er Geburtstag haben und konnte sich so gleich selbst etwas schenken. Ich finde, das ist eine ziemlich gute Idee. Auch für Erwachsene.
Ein anderer Junge gestaltete eine grosse Karte mit gebastelten Taschen, in die man noch etwas hineinstecken konnte, oder hinter der ein Bild versteckt war. Eine Karte mit Stauraum, sozusagen.
Auf dem Tisch sammelten sich währenddessen die Papierschnipsel. Das gehört beim Gestalten wohl einfach dazu. Zum Schluss halfen alle beim Aufräumen. Wer zuhause weiterbasteln wollte, durfte sogar noch Material mitnehmen.

So sieht ein Basteltisch in der Pause aus. Ich nenne das kreatives Chaos.
Vielleicht kennst du den Gedanken: «Das kann ich sowieso nicht.» Oder: «Dafür fehlt mir die Geduld.» Diese Sätze begegnen mir auch in Gesprächen übers Töpfern.
An diesem Nachmittag konnte ich beobachten, dass auch Kinder erst einmal überlegen und sich absichern möchten. Sobald sie angefangen hatten, wurde die Frage nach dem passenden Papier aber weniger wichtig. Dann konnte eben ein Pferd auf Schneeflockenpapier stehen oder ein Seestern auf einer Weihnachtskarte landen.
Mir hat das wieder gezeigt, wie hilfreich ein Anfang sein kann, bei dem man noch nicht alles wissen muss. Erst einmal ein Motiv aussuchen, etwas ausschneiden und schauen, was daraus wird.
Beim Töpfern erlebe ich etwas Ähnliches. Wenn die Hände beschäftigt sind, rückt das Grübeln oft in den Hintergrund. Dann geht es um den nächsten Handgriff und die eigene Idee nimmt langsam Form an.
Was den Einstieg in ein kreatives Hobby erleichtert, wollte ich auch in meiner Umfrage herausfinden. Die Antworten kannst du in meinem Beitrag Mut für Neues braucht Gesellschaft – aber welche? nachlesen.
Es sind viele einzigartige Karten an diesem Gestaltungsnachmittag entstanden.
Ein herzliches Dankeschön an Chris für die Einladung und an das Team der Bibliothek Rifferswil fürs Organisieren, für Wasser und Apfelschnitze zwischendurch und und für den Einblick in unseren Gestaltungsnachmittag auf Instagram.
Nächstes Jahr darf ich den Gestaltungsnachmittag übernehmen. Ich freue mich darauf. Ein paar Ideen schwirren mir schon durch den Kopf. Zum Glück habe ich noch etwas Zeit, sie zu sortieren.

Zwischendurch gab es auch mal einen kurze Pause, um Energie für die 2. Halbzeit zu tanken.
Wie ist das bei dir: Bastelst du deine Weihnachtskarten selbst oder kaufst du sie lieber? Schreib es mir gerne in die Kommentare.
Wenn du Lust bekommen hast, selbst mit den Händen zu arbeiten, kannst du im offenen Töpferatelier im Atelier Allegra in Hausen am Albis mit Ton loslegen. Du brauchst keine Vorkenntnisse und ich unterstütze dich bei den ersten Schritten.
Ich töpfere leidenschaftlich gerne, probiere ständig neue kreative Ideen aus und bin die Frau hinter antjes-art.
Zwischen Pferdestall, Familienalltag und Töpferatelier entstehen bei mir Keramiken, kreative Projekte und Geschichten darüber, was passiert, wenn wir einfach mal anfangen.
Perfekt muss es dabei nicht werden. Viel wichtiger ist, dass du dir erlaubst, anzufangen und deine eigenen Ideen auszuprobieren.
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