Wochenlang war es heiss gewesen. Die Pflanzen wirkten müde und stellenweise beinahe verbrannt. Doch nach ein paar Regentagen zeigte sich der Permagarten zum Sommerfest am 29. August wieder sattgrün und einladend. Dazu kamen angenehme Temperaturen – genau richtig, um es sich in einem solchen Garten gemütlich zu machen.
Ich war mit Ton, Werkzeug und einer einfachen Aufgabe dabei: Aus einem Stück Ton sollte ein Vogelbad entstehen. Was ich nicht erwartet hatte: Am Ende beschäftigten mich weniger die entstandenen Vogelbäder als die Frage, warum Kinder einfach loslegen – und Erwachsene so oft erst einmal zuschauen.
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Bis zu diesem Sommerfest hatte ich mit dem Permagarten selbst kaum Berührungspunkte. Chris, die Leiterin unseres Gemeinschaftsateliers Atelier Alegra in Hausen am Albis und Mitglied im Permagartenverein, fragte mich, ob ich beim Fest eine Töpfer-Station übernehmen möchte. Ich sagte gerne zu.
Ganz fremd war mir die Welt zwischen Gemüsebeeten, Kräutern und essbaren Pflanzen allerdings nicht. Ich bin mit einem Nutzgarten gross geworden und hatte später selbst einen. Irgendwann musste ich ihn aufgeben, weil ich zeitlich einfach nicht mehr hinterherkam – das Unkraut war meistens schneller als ich. Vielleicht fühlte sich der Permagarten deshalb gleich ein wenig vertraut an.
Mehr über den Permagarten und den Verein erfährst du unter nachhaltigesrifferswil.ch.

Flyer zum Permagarten Sommerfest
Herzstück des Festes war ein Sinnesparcours mit fünf Stationen. Es wurde geschaut, gezeichnet, gelauscht, gerochen, geschmeckt und mit Händen und Füssen ertastet.
Beim Sehen suchten sich die Besucherinnen und Besucher eine Blüte, ein Blatt oder eine Pflanze aus und zeichneten sie ab. An einer anderen Station hiess es: hinsetzen, die Augen schliessen und darauf achten, was rundherum zu hören ist. Kräuter und andere Pflanzenteile mussten durch Riechen und Schmecken den passenden Karten zugeordnet werden. Auf einem Barfussweg liess sich der Garten ausserdem mit den Füssen erkunden.
Und dann gab es noch meine Station. Hier wurde ebenfalls getastet – allerdings mit Ton zwischen den Fingern. Die Aufgabe: ein Vogelbad aus Ton bauen.
Beim Hören ging es um Töne, bei mir um Ton. Zufall – ich nehme es einfach als Kompliment an das Programm.

Gehe barfuss hin & her. Was spürst du?

Schliesse die Augen! Was hörst du?

Diese Kräuter kannst du essen. Wie riechen, schmecken & heissen sie?

Suche eine Blüte, ein Blatt oder eine Pflanze und zeichne sie ab.

Mache ein Vogelbecken aus Ton!
Was ich unterschätzt hatte: Draussen trocknet Ton normalerweise deutlich schneller als drinnen. An diesem Tag stand meine Station jedoch im Schatten, und der Ton liess sich Zeit.
Ton hatte ich reichlich dabei. Bei den Stützformen war ich dagegen etwas zu optimistisch gewesen. Rückblickend passte die Zahl der Teilnehmenden deshalb ziemlich gut zu meiner Ausstattung. Bei deutlich mehr Vogelbädern hätte ich improvisieren müssen.
Viele Menschen blieben an meiner Station stehen, schauten zu, stellten Fragen oder kamen mit mir über das Töpfern ins Gespräch. Fünf wollten es schliesslich selbst ausprobieren: zwei Erwachsene und drei Kinder.
Im Laufe des Festes postierten sich zwei Jungs bei mir und liessen nicht mehr locker: Hast du das gemacht? Wie geht das? Was kann man mit dem Werkzeug da machen? Darf ich das auch mal probieren? Darf ich das haben?
Sie formten, drückten, probierten Werkzeuge aus und fragten weiter. Während ihre Hände beschäftigt waren, erzählten sie mir ganz nebenbei auch Persönliches. Sie redeten so ungezwungen und vertraut mit mir, als würden wir uns schon lange kennen. Vielleicht war das einfach ihre Art. Ich fand es jedenfalls schön, wie selbstverständlich dieses Gespräch beim gemeinsamen Arbeiten entstand.

verschiedene Vogelbadschalen beim Trocknen
Zumindest an diesem Nachmittag war der Unterschied deutlich: Die Kinder wollten wissen, was sie machen durften. Die Erwachsenen überlegten eher, ob sie es überhaupt konnten.
Was bringt mir das? Warum sollte ich das jetzt machen? Und ziemlich oft steckt dahinter die Überzeugung: Das kann ich sowieso nicht.
Eine Besucherin liess ihre anfänglichen Zweifel schliesslich beiseite und probierte es aus. Mitten beim Formen hielt sie inne und sagte: „Moment mal – das ist ja fast wie Kuchenbacken. Wie Teig ausrollen. Das habe ich heute schon gemacht.“
Genau das war der Moment. Plötzlich war Töpfern nichts Fremdes mehr, für das man besonderes Talent brauchte. Es war eine Bewegung, die sie längst kannte.
Die Frage, warum wir uns mit Neuem und Kreativem manchmal so schwertun, liess mich den ganzen Abend nicht los. Mittlerweile habe ich dazu eine kleine Umfrage gestartet: Mut braucht Gesellschaft. Wenn du magst, schau gerne hinein.
Rund um den Sinnesparcours wurde gemeinsam gegessen, musiziert und gefeiert. Für die Teilete brachte jede und jeder etwas mit, sodass nach und nach eine lange, bunt gefüllte Tafel entstand. Während die anderen beim Essen zusammensassen, blieb ich an meiner Station und begleitete die kleinen und grossen Vogelbadbauer.
Später spielten „Pàlinka“, und auch unser Ortschor „Riffi singt“ trat auf.
Vieles bekam ich zwischen Ton, Werkzeug und Gesprächen nur am Rand mit.
Trotzdem war diese besondere Atmosphäre überall zu spüren: Menschen kamen zusammen, brachten etwas mit, setzten sich an eine gemeinsame Tafel, hörten Musik und verbrachten einen gemütlichen Abend im Garten.
Zwischendurch wurden wir auch gefilmt – für einen kurzen Kinofilm, an dem Settebello gerade arbeitet. Wann und wo der Film zu sehen sein wird, weiss ich noch nicht. Ich bin selbst gespannt, wie dieser Nachmittag später auf der Kinoleinwand wirkt.
Es hatte etwas von einem grossen Familienfest – nur dass dafür niemand miteinander verwandt sein musste. Man sass zusammen, erzählte, ass, hörte Musik und feierte ganz selbstverständlich, dass dieser Garten da war und Menschen zusammenbrachte.

Ein Blick in den Permagarten.
Vielleicht gehörst du auch zu den Menschen, die erst einmal zuschauen und denken: Das kann ich bestimmt nicht. Dann darfst du dir von den beiden Jungs etwas abschauen und es einfach ausprobieren.
Lust, selbst einmal Ton in die Hände zu nehmen?
Im offenen Töpferatelier kannst du mittwochs zwischen 14 und 17 Uhr mit Ton arbeiten – ohne Vorkenntnisse und ohne den Anspruch, gleich etwas Perfektes herstellen zu müssen. Alle Informationen findest du unter antjes-art.com/kurse.
Ich töpfere leidenschaftlich gerne, probiere ständig neue kreative Ideen aus und bin die Frau hinter antjes-art.
Zwischen Pferdestall, Familienalltag und Töpferatelier entstehen bei mir Keramiken, kreative Projekte und Geschichten darüber, was passiert, wenn wir einfach mal anfangen.
Perfekt muss es dabei nicht werden. Viel wichtiger ist, dass du dir erlaubst, anzufangen und deine eigenen Ideen auszuprobieren.
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