Keramik & Kreativkunst

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Auszeit für Frauen

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Wie aus Ton, Muscheln und altem Holz eine Namenstafel für die Normandie entstand

Manchmal kommt jemand ins Atelier und hat schon ziemlich genau vor Augen, was entstehen soll. Nicht nur eine grobe Idee, sondern ein richtiges Bild im Kopf.

So war es auch bei Chantal.

Sie kam im Juni zu mir ins offene Atelier und wollte eine Namenstafel aus Keramik für ihr Ferienhaus in der Normandie gestalten. Getöpfert hatte sie zu diesem Zeitpunkt seit über 20 Jahren nicht mehr. Das hielt sie allerdings nicht davon ab, sich gleich an ein ziemlich grosses Projekt zu wagen.

Und genau das mag ich an solchen Ideen: Du musst nicht vorher schon wissen, ob wirklich alles so funktioniert, wie du es dir vorstellst. Du kanns dich Schritt für Schritt herantasten, ausprobieren, Lösungen finden – und manchmal wird das Ergebnis gerade deshalb interessanter als ursprünglich geplant.

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Eine Namenstafel für ein Ferienhaus mit Hund

Chantals Ferienhaus liegt in der Normandie und wird auch vermietet. Vor allem Familien und Menschen, die mit Hund verreisen möchten, können dort Ferien machen.

Das passt ziemlich gut, denn Chantal selbst hat drei Hunde und weiss deshalb aus eigener Erfahrung, wie schön es ist, einen Ort zu haben, an dem die Vierbeiner einfach dazugehören.

Die Namenstafel sollte deshalb nicht glatt, perfekt und irgendwie austauschbar wirken. Sie sollte zum Haus passen, zur Gegend und zu dem Gefühl, das Chantal damit verbindet.

Also begannen wir erst einmal mit der Planung.

  • Wie gross soll die Tafel werden?

  • Was soll darauf zu sehen sein?

  • Welche Materialien und Strukturen passen dazu?

  • Welche Schrift könnte funktionieren?

Die grobe Richtung war schnell klar: rustikal, natürlich, ein bisschen maritim und auf keinen Fall zu bunt. Jetzt mussten wir nur noch herausfinden, wie sich das alles in Ton umsetzen lässt.

Erst planen, dann Ton ausrollen

Chantal walzte eine grosse Tonplatte aus. Schon dabei entschieden wir, die Ränder nicht sauber abzuschneiden oder zu begradigen. Sie durften ruhig etwas unregelmässig bleiben. Denn genau das passte zum Charakter der Tafel. Ein bisschen rau, ein bisschen ursprünglich und eben nicht komplett durchgestylt.

Es muss nicht immer alles aussehen, als wäre es aus einer Form gefallen.

Anschliessend nahm sie ein Stück Holz, das sie extra mitgebracht hatte, und drückte es immer wieder in die noch weiche Tonplatte. Dadurch entstand eine Struktur, die an Holzmaserung erinnert.

Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass echtes Holz später bei diesem Projekt noch eine ziemlich wichtige Rolle spielen würde. Aber dazu später mehr.

der Ton wird ausgerollt
die Namenstafel im Rohzustand

von einer ausgerollten Platte zur Namenstafel - hier im Rohzustand

Muscheln gehören unbedingt dazu

Zur Normandie und zur Küste gehören natürlich auch Muscheln. Chantal hatte einige mitgebracht, die ihr besonders gut gefielen. Diese sollten unbedingt Teil der Tafel werden.

Nur stellte sich die nächste Frage: Wie bringt man eine Muschel möglichst schön auf den Ton? Wir wollten nicht einfach nur einen Abdruck auf der Oberfläche. Die Muscheln sollten plastischer wirken und etwas aus der Tafel herausstehen.

Also beschlossen wir, sie von innen auszuformen.

Gesagt, getan.

Und dann machte ich einen dieser Denkfehler, bei denen man hinterher ziemlich genau weiss, was man eigentlich hätte bedenken müssen.

Ich hatte nämlich nicht daran gedacht, dass der Ton direkt in der Muschel kleben bleibt, wenn kein Trennmittel dazwischenliegt. Das Ergebnis war entsprechend.

Also noch einmal von vorne.

Diesmal packte ich die Muschel in einen Strumpf. Dadurch konnte sich der Ton an die Form anschmiegen, ohne darin festzukleben.

Und siehe da: Es funktionierte. Chantal konnte die Muschel sauber ausformen und anschliessend aus dem echten Muschelgehäuse lösen.

Manchmal braucht es eben keinen komplizierten Trick. Ein alter Strumpf tut’s auch.

Wie kommt die Tonmuschel auf die Platte?

Damit war die Muschel zwar fertig, aber noch längst nicht auf der Namenstafel.

Die Stellen, an denen beide Tonteile später miteinander verbunden werden sollten, mussten zuerst angeraut und mit Schlicker versehen werden.

Anschliessend setzte Chantal die Muschel auf die Platte und verband beide Teile sorgfältig miteinander. Da dabei ein kleiner Hohlraum entstand, bekam die Platte von hinten noch einige kleine Löcher.

Eingeschlossene Luft kann beim Brennen nämlich ziemlich unangenehme Folgen haben. Im schlimmsten Fall kann ein Werkstück dabei beschädigt werden, oder sprengt ganz auseinander.

Bei so einem Projekt möchte man darauf lieber verzichten. Zumal es von jemand anderem ist.

Ein Hauch von Dünen

Neben den Muscheln hatte Chantal auch einzelne Grashalme gesammelt.

Die sollten an die Dünen und die Landschaft rund um das Ferienhaus erinnern.

Sie drückte die Gräser vorsichtig in die noch weiche Tonoberfläche und hinterliess damit ihre feinen Strukturen.

Und langsam bekam die Tafel immer mehr von dem Charakter, den sie sich vorgestellt hatte. Nicht einfach nur ein Namensschild. Sondern etwas, das wirklich mit diesem Ort verbunden ist.

Und welche Schrift passt auf Ton?

Jetzt fehlte natürlich noch das Wichtigste: der Name.

Auch hier wollten wir nichts überstürzen. Wir nahmen zuerst ein Blatt Papier und probierten verschiedene Schriftarten aus. Schliesslich entschied sich Chantal für eine Schreibschrift. Oder wie man hier in der Schweiz auch sagt: Schnürli-Schrift.

Damit die Buchstaben nicht einfach nur eingeritzt wirken, nahm sie ein dünnes Hanfseil und drückte die Schrift damit in den weichen Ton. Das funktionierte nicht auf Anhieb perfekt. Ein Buchstabe sass nicht ganz richtig, eine Linie musste korrigiert werden, kleine Stellen wurden wieder geglättet.

Aber genau dafür ist Ton ziemlich dankbar.

Solange er noch weich genug ist, kann man korrigieren, verbessern und neu probieren.

Irgendwann passte die Schrift. Da die Tafel später aufgehängt werden sollte, setzte Chantal zusätzlich vier Löcher in die Ecken.

Damit war der erste grosse Teil geschafft.

Jetzt hiess es: warten

Und genau an diesem Punkt kommt der Teil, den viele beim Töpfern gern überspringen würden. Trocknen lassen.

Bei so einer grossen Platte ist das besonders wichtig. Trocknet sie zu schnell oder ungleichmässig, kann sie sich verziehen oder reissen. Also liess ich die Tafel etwa zwei Wochen trocknen. Leicht beschwert und in einen dunklen Plastiksack eingepackt, damit die Feuchtigkeit möglichst langsam und gleichmässig entweichen konnte.

Beim Töpfern kann man einiges beeinflussen. Geduld gehört trotzdem immer dazu.

Der kleine Nervenkrimi vor dem Brennen

Nach zwei Wochen war es soweit. Die Tafel durfte zum ersten Mal in den Ofen.

Und da bekam ich erst einmal einen kleinen Schreck.

Als ich sie einsetzen wollte, stellte ich fest, dass sie fast so gross war wie der Ofeneinlass. Nicht nur ein bisschen gross. Sondern so gross, dass ich sie drehen und vorsichtig ausrichten musste, um überhaupt den richtigen Winkel zu finden.

In meinem Kopf lief ungefähr Folgendes ab:

Passt sie wirklich rein?

Bloss nicht verkanten!

Bitte nicht anschlagen!

Und hoffentlich bleibt sie beim Brennen heil!

Schliesslich lag sie an ihrem Platz. Puh.

Der erste Brand erfolgte bei etwa 920 °C. Danach konnten wir endlich sehen: Sie hatte es geschafft.

Welche Glasur passt zur Normandie?

Nach dem Schrühbrand ging es ans Glasieren. Auch hier hatte Chantal schon eine ziemlich klare Vorstellung. Auf keinen Fall zu bunt. Die Tafel sollte ihre natürliche, etwas rustikale Wirkung behalten.

Also bekamen die Gräser ein zurückhaltendes Blaugrün. Die Muscheln wurden mit etwas Rot, Grün, Gelb und Weiss betupft. Zum Schluss kam noch eine transparente Glasur über die gesamte Oberfläche. So blieben die eingedrückten Strukturen sichtbar und die Farben bekamen trotzdem etwas Tiefe.

Danach folgte der zweite Brand bei etwa 1240 °C.

Und dann kam der Moment, auf den man nach so vielen Arbeitsschritten gespannt wartet: Ofen auf. Tafel anschauen. Erleichterung. Sie war heil.

Na ja – fast.

Wenn beim Töpfern nicht alles nach Plan läuft

Nach dem Glasurbrand zeigte sich ein kleiner Riss. Ausserdem hatte sich die grosse Platte etwas gewölbt. Sie war also nicht mehr ganz so flach, wie wir es ursprünglich geplant hatten.

Ärgerlich? Natürlich ein bisschen. Aber eben auch ziemlich typisch fürs Töpfern.

Ton macht nicht immer exakt das, was man sich vorher überlegt hat.

Und jetzt hatten wir ein neues Problem:

Wie befestigen wir diese schwere Keramiktafel so an der Wand, dass sie stabil sitzt – obwohl sie nicht ganz eben ist?

Ein neues, glattes Holzbrett hatten wir bereits ausprobiert.

Das funktionierte zwar technisch. Aber optisch überhaupt nicht. Zu hell. Zu gerade. Zu ordentlich. Es passte einfach nicht.

Als ich den Ofen öffnete und die heile Namenstafel sah, war ich mega froh.

Die Namenstafel nach dem Glasurbrand

Die Lösung lag am Wegesrand

Einige Zeit später war ich mit meinem kleinen Gasthund unterwegs. Bei einem Spaziergang entdeckte ich ein paar alte Holzbretter. Verwittert, unregelmässig und mit deutlich mehr Charakter als das neue Holz, das wir zuvor ausprobiert hatten.

Und ich dachte sofort an Chantals Tafel. Genau so etwas brauchte sie.

Natürlich konnte ich die Bretter nicht einfach mitnehmen.

Also fragte ich die Besitzerin, ob ich sie für ein Töpferprojekt verwenden dürfte.

Sie brauchte sie nicht mehr und sagte ja.

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön dafür.

alte Holzbretter am Wegesrand

Als ich wieder einmal mit unserem Gasthund auf einem Spaziergang war, entdeckte ich diese alten Holzbretter am Wegesrand. Sie würden perfekt zu der Namenstafel von Chantal passen.

Keramik trifft altes Holz

Es waren vier unterschiedlich geformte Bretter. Chantal und ich legten sie immer wieder anders zusammen und probierten verschiedene Varianten aus.

Mal wirkte es zu ordentlich. Mal passten die Proportionen nicht.

Und irgendwann lag die Kombination vor uns, bei der wir beide sagten:

Genau so!

Ich schliff die Bretter leicht an und verband sie auf der Rückseite mit zwei Holzleisten zu einer stabilen Fläche. Und dann zahlten sich sogar die vier Löcher aus, die Chantal ursprünglich nur zum Aufhängen der Keramiktafel vorgesehen hatte.

Ich nutzte sie, um die Keramikplatte direkt auf den alten Holzbrettern festzuschrauben. Und es hielt. Und plötzlich wirkte auch die leichte Wölbung gar nicht mehr wie ein Problem.

Im Gegenteil.

Die alte Holzunterlage machte die Tafel noch individueller und passte viel besser zu ihrem ursprünglichen Charakter. Manchmal führt ein kleiner Umweg eben doch zur schöneren Lösung.

Die Namenstafel wird nochmal am Holz angepasst.
Die alten Holzbretter werden ein wenig geschliffen.
Tafel wird am Holz festgeschraubt

Mit ein paar finalen Handgriffen verbinde ich hier die Namenstafel aus Ton mit den alten Holzbrettern. Das gibt dem Ganzen den rustikalen Stil, der zum Haus in der Normandie passt.

Und heute hängt sie in der Normandie

Inzwischen ist die Namenstafel an ihrem Bestimmungsort angekommen.

Sie hängt am Ferienhaus in der Normandie – genau dort, wo sie hingehört.

Mit den Muscheln, den Gräsern, der Holzstruktur, der von Hand gestalteten Schrift und den alten Brettern dahinter erzählt sie jetzt ein kleines Stück Geschichte dieses Hauses.

Und vor allem erzählt sie Chantals Geschichte.

Denn sie hat diese Tafel selbst gestaltet.

Nach mehr als 20 Jahren ohne Töpfern.

Von der ersten Idee über das Formen und Glasieren bis zur endgültigen Gestaltung.

Darauf darf man ruhig ein bisschen stolz sein.

Was ich an solchen Projekten besonders mag

Genau solche individuellen Projekte zeigen für mich, was im offenen Atelier möglich ist.

Du musst nicht mit einer perfekten Anleitung kommen. Du musst auch nicht schon jahrelang töpfern können. Gerade wenn du erst anfängst, findest du bei mir auch Tipps rund ums Töpfern für Anfänger. Manchmal reicht eine Idee. Vielleicht ziemlich konkret. Vielleicht auch nur halb fertig. Den Rest kann man ausprobieren.

Manchmal funktioniert etwas sofort. Manchmal klebt der Ton plötzlich in einer Muschel. Manchmal verzieht sich eine Platte beim Brennen. Und manchmal findet man ausgerechnet beim Spaziergang die Lösung für ein Problem, das vorher noch ziemlich gross wirkte. Das gehört dazu.

Und oft wird gerade dadurch aus einem einfachen Töpferprojekt etwas, das wirklich persönlich ist.

Hast du selbst eine Idee im Kopf?

Vielleicht möchtest du ein Namensschild gestalten. Ein Geschenk. Eine besondere Schale. Eine Erinnerung. Oder etwas völlig anderes, bei dem du noch gar nicht genau weisst, wie man es überhaupt in Ton umsetzen könnte.

Dann darfst du diese Idee mitbringen.

Im offenen Töpfer-Atelier geht es nicht darum, dass du vorher schon alles können musst.

Wir schauen gemeinsam, was technisch möglich ist, wie sich deine Idee umsetzen lässt und welche Lösung zu deinem Projekt passt.

Und manchmal entsteht dabei etwas ganz anderes als ursprünglich geplant.

Aber vielleicht gerade deshalb etwas richtig Gutes.

Häufige Fragen zu individuellen Namenstafeln aus Keramik

Kann ich im offenen Töpfer-Atelier selbst eine Namenstafel aus Keramik herstellen?

Ja. Du gestaltest dein eigenes Projekt selbst und ich unterstütze dich bei der technischen Umsetzung. Auch wenn du noch wenig oder lange nicht mehr getöpfert hast, kannst du deine Idee Schritt für Schritt umsetzen.

Wie lange dauert die Herstellung einer Namenstafel aus Ton?

Für ein grösseres Projekt solltest du mehrere Wochen einplanen. Die Tafel muss nach dem Formen langsam trocknen und wird anschliessend zweimal gebrannt. Zwischen den einzelnen Arbeitsschritten entstehen deshalb immer wieder Wartezeiten.

Wie kann eine schwere Keramiktafel befestigt werden?

Das hängt vom jeweiligen Projekt ab. Bei Chantals Tafel haben wir die Keramikplatte auf alten Holzbrettern befestigt. Die vier bereits vorhandenen Löcher konnten dafür genutzt werden, die Tafel direkt auf dem Holz zu verschrauben.

Hey, ich bin Antje -

die kreative Seele hinter

"antjes-art".

Antje von antjes-art im Töpfer-Atelier

Ich glaube fest daran, dass wir nie zu alt,

zu beschäftigt oder zu eingespannt sind, um etwas Neues zu lernen.

Perfektion ist dabei gar nicht das Ziel – der erste Schritt zählt.

Und genau diesen Schritt darfst du dir erlauben.

Mir ist wichtig, dass Lernen und Kreativität nicht schwer, sondern leicht und erfüllend sind.

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