Manche Arbeiten entstehen nicht an einem konkreten Tag.
Sie entwickeln sich über Wochen hinweg, manchmal sogar über Monate. Sie tauchen immer wieder im Kopf auf, verschwinden kurz und melden sich dann erneut. Dieses Relief gehört genau in diese Phase meines Arbeitens.
Schon vor längerer Zeit habe ich begonnen, mir erste Gedanken zu Pferdeskulpturen zu machen. Doch was ich bis jetzt von anderen Künstler*Innen gesehen habe, war so perfekt, da würde ich noch nicht rankommen. Aber ich wollte unbedingt eine Tonarbeit mit Pferden herstellen. Eine vage Idee hatte ich schon.
Im September ging es um Knutur. Wenig später kam Eyvi dazu, im November schließlich Vissa. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich weder eine feste Form noch ein klares Ziel vor Augen. Es waren lose Gedanken, Skizzen, Bilder auf dem Handy. Und dieses Gefühl, dass sich daraus irgendwann etwas formen würde.
Der ursprüngliche Auslöser war eine Geschenkidee. Drei kleine Pferdeskulpturen , die eine Herde vervollständigen sollten. Ein überschaubares Projekt, dachte ich. Rückblickend war es eher der Startpunkt für etwas Größeres.
Wer sich generell dafür interessiert, wie Arbeiten mit Ton beginnt und welche Grundlagen dabei wichtig sind, findet auf meiner Seite Töpfern lernen eine Übersicht zu Techniken, Materialien und ersten Schritten.
In dieser Phase begann ich, mich noch intensiver mit Pferdeskulpturen auseinanderzusetzen.
Auf Instagram stieß ich auf die Arbeiten von @emmatateceramics. Ihre Reliefs wirkten reduziert, klar und zugleich körperlich. Manche Wandfiguren waren nicht mal vollständig in Ton gearbeitet. Und doch sah ich ein ganzes Pferd.
Ich kannte bereits die Arbeiten von @susanleyland, doch Emmas Ansatz fühlte sich für mich greifbarer an. Es war diese Mischung aus Machbarkeit und Ausdruck, die mich angesprochen hat.
Plötzlich wurde mir klar, dass es nicht mehr nur um ein Geschenk ging. Es ging um eine eigene Annäherung an das Thema: Pferd in Ton. Um Form, Präsenz und Charakter.
Die entscheidende Frage war bald nicht mehr die Technik, sondern die Auswahl der Motive. Welche Pferde sollten es sein? Die Antwort kam unerwartet und war doch so selbstverständlich. Ein kleiner AHA-Moment. Sie standen ja praktisch schon vor mir.
Das Winterabschlussbild des kleinen Stalls zeigte die drei Pferde dicht beieinander. Vertraut. Ruhig. Miteinander verbunden. Für mich sind sie schon länger die „3 Musketiere“. Sobald ein Partner fehlt, wird er oder sie vermisst.
Ich begann, verschiedene Fotos zu machen. Einzelaufnahmen, Details, unterschiedliche Perspektiven. Diese Bilder dienten mir als Materialsammlung. Das Gruppenbild blieb als emotionale Grundlage bestehen. Es ging mir nicht darum, es eins zu eins zu übertragen, sondern das Gefühl einzufangen, das es transportierte.
Solche Entscheidungen entstehen bei mir selten isoliert. Viele Gedanken dazu tauchen auch in meinem Blog auf, in dem ich Einblicke in meine Arbeit und meinen Alltag mit Ton teile.
Der nächste Schritt war eine Zeichnung.
Zeichnen gehört nicht zu meinen größten Stärken, doch das spielte in diesem Moment keine entscheidende Rolle. Die Zeichnung war kein Endprodukt, sondern ein Übergang. Sie half mir, eine Richtung zu finden und mich auf die Arbeit mit Ton vorzubereiten.
Im Atelier rollte ich eine große Tonplatte aus. Etwa einen Zentimeter dick, stabil genug, um darauf aufzubauen. Beim Arbeiten merkte ich schnell, dass sie stellenweise dünner wurde. Das ließ sich nicht mehr ändern und gehörte von da an zum Objekt.
Die Zeichnung übertrug ich vorsichtig mit einem Bleistift auf den Ton. Die Linien dienten mir als Orientierung. Sie markierten Bereiche, in denen Volumen entstehen durfte, und andere, die bewusst zurückgenommen bleiben sollten.
Der eigentliche Aufbau des Reliefs begann ohne festen Plan.
Ich nahm Ton vom Block, setzte ihn auf, verteilte ihn, nahm wieder etwas weg. Es war ein langsames Herantasten. Schicht für Schicht entstand mehr Tiefe. An manchen Stellen brauchte es mehr Material, an anderen weniger.
Mir war wichtig, nicht alles auszuformulieren. Ich mag es, wenn ein Bild Offenheit behält. Wenn es Raum lässt für Interpretation und Wahrnehmung. Wenn das Auge ergänzt, was nicht vollständig ausgearbeitet ist.
Nach und nach traten die drei Pferde aus der Fläche hervor. Jedes mit eigener Haltung, eigener Spannung. Nicht realistisch im klassischen Sinn, aber präsent.
Die schwierigste Entscheidung im künstlerischen Schaffen ist es, den Punkt zu finden, an dem sich das Relief in sich geschlossen anfühlt.
Für diesen Moment war es fertig.
Im Nachhinein sehe ich sehr klar, dass das nächste Relief mehr Volumen haben wird. Dieses hier wirkt stellenweise noch zurückhaltend. Doch genau darin liegt auch sein Wert. Es zeigt meinen aktuellen Stand und bildet einen wichtigen Zwischenschritt.
Ähnliche Prozesse begleiten auch andere Arbeiten aus meinem Atelier, die du in meinen Kundenprojekten findest – jedes Stück mit eigener Geschichte und eigenem Weg.
Mit dem Rohbrand wurde eine Grenze gesetzt. Ab diesem Moment ließ sich nichts Grundlegendes mehr verändern. Das Relief war festgelegt. Was blieb, war die Entscheidung über die Oberfläche.
Ursprünglich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, Manganspinell zu verwenden. Eine ruhige, einheitliche Lösung. Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir jedoch, dass diese Glasur den individuellen Charakteren der Pferde nicht gerecht geworden wäre.
Jedes dieser Tiere bringt eine eigene Farbe und Ausstrahlung mit. Das sollte sich auch im Relief zeigen.
So entstand die Idee, mit Redox©️ zu arbeiten. Für mich ein kompletter Neuanfang. Ich hatte diese "Glasuren" bisher nicht verwendet und kann ihr Verhalten im Brand nicht einschätzen. Gerade diese Offenheit machte den Reiz aus.
In solchen Momenten hilft mir ein klarer innerer Leitsatz: ausprobieren, Erfahrung sammeln und dem Prozess vertrauen. Sollte das Ergebnis nicht passen, beginnt die Arbeit erneut. Auch das gehört zur künstlerischen Entwicklung.
Wie unterschiedlich Oberflächen, Farben und Glasuren wirken können, zeigt sich besonders gut in meiner Galerie, in der verschiedene Keramikunikate zusammenkommen.
Am 11.01.26 setzte ich diesen Schritt um.
Jedes Pferd erhielt seine eigene Glasur.
Knutur bekam hauptsächlich Kupfer und ein bisschen Sibiria von
Eyvi wurde mit einer Mischung aus Herbstlaub und Kupfer versehen.
Vissa erhielt vor allem Schiefer, ergänzt durch feine Anteile von Herbstlaub und Kupfer.
Mit dem Schwamm nahm ich immer wieder Glasur ab. Ich wollte Transparenz erzeugen und verhindern, dass die Oberfläche geschlossen wirkt.
Die Umgebung des Reliefs ließ ich weitgehend roh. Vielleicht kommen an den äußeren Kanten noch Akzente hinzu, vielleicht bleibt es so. Auch diese Entscheidung darf sich noch entwickeln.
Jetzt heißt es warten. Trocknen lassen. Brennen. Loslassen.
Dieses Relief macht für mich sichtbar, wie sich mein Arbeiten verändert. Entscheidungen entstehen zunehmend im Tun. Vertrauen wächst mit jeder Erfahrung. Der Wunsch nach Kontrolle verliert an Bedeutung, während Neugier und Offenheit stärker werden.
Künstlerischer Prozess bedeutet für mich, diesen Weg bewusst zu gehen. Mit Unsicherheiten, mit Freude und mit der Bereitschaft, aus jedem Werk zu lernen. Jedes Objekt ist Teil eines größeren Zusammenhangs und hat seinen eigenen Platz darin.
Sobald das Relief fertig gebrannt ist, kommt das Bild dazu.
Dieses Relief wird nicht das letzte bleiben. Es ist ein Anfang.
Weitere Arbeiten sind bereits im Kopf, einige schon in Vorbereitung.
Auch für eine geplante Ausstellung brauche ich noch einige neue Stücke.
Wenn dich solche Einblicke in künstlerische Prozesse interessieren, dann findest du mehr davon in meinem Newsletter, auf Instagram und in meinen weiteren Blogartikeln. Ich nehme dich gerne mit auf diesem Weg – Schritt für Schritt, Arbeit für Arbeit.
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