Keramik & Kreativkunst

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Ich habe aufgehört, es allen recht machen zu wollen

Hier liest du etwas über:

Warum eine Kündigung mir gezeigt hat,

dass meine Zeit nicht endlos ist

Eigentlich war mein Leben schon voll.

Ich hatte zwei Jobs in Pferdeställen. Körperliche Arbeit, früh raus, Wind, Wetter, Pferdeäpfel-Durcheinander, Heu, Stroh, Pferde beobachten und Verantwortung für Lebewesen. Also eigentlich genug.

Und trotzdem kam dieser eine Moment, in dem ich wieder dachte: „Ach komm, das schaffst du auch noch.“

Kennst du diesen Satz?

Bei mir taucht er meistens genau dann auf, wenn ich eigentlich schon längst weiss: Nein. Eigentlich schaffe ich das nicht auch noch. Zumindest nicht, ohne irgendwo anders etwas zu verlieren.

Aber als die Anfrage aus der Gastronomie kam, ob ich im Service aushelfen möchte, war mein innerer Ja-Sager schneller als mein gesunder Menschenverstand.

Ich komme aus der Gastro. Ich kenne das. Ich kann das. Und ein bisschen zusätzliche Arbeit kann ja nicht schaden, oder? Zumal ich dadurch wieder ein bisschen mehr verdiene.

Also sagte ich Ja.

Nicht nur, weil ich es ausprobieren wollte. Sondern auch, weil ich niemanden enttäuschen wollte. Weil ich helfen wollte. Weil ich diese Person sein wollte, auf die man sich verlassen kann.

Die, die einspringt.

Die, die funktioniert.

Die, die alles irgendwie hinkriegt.

Blöderweise vergisst man bei diesem „irgendwie“ gerne, dass man selbst auch noch irgendwo vorkommen sollte.

Wenn aus „Ich probiere es mal“

ein Hamsterrad wird

Am Anfang klang es noch machbar.

Ein bisschen Service nebenbei. Nur ein paar Schichten in der Woche.

Ich kenne die Abläufe, ich weiss, wie Gastronomie tickt. Das wird schon gehen.

Spoiler: Ging nicht.

Innerhalb kürzester Zeit wurde mein Alltag zu einer logistischen Meisterleistung. Pferdestall hier, Pferdestall dort, dann abends weiter ins Restaurant. Dazwischen duschen, umziehen, essen, fahren und funktionieren.

Und irgendwann war da kaum noch Luft. Nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf.

Das Töpfern stand still. Mein Ton blieb liegen. Meine Ideen wurden auf später verschoben. Und dieses „später“ wurde jeden Tag ein bisschen weiter nach hinten geschoben.

Das ist das Gemeine daran: Du merkst oft gar nicht sofort, was du gerade opferst.

Du denkst nur: Diese Woche noch. Diese Schicht noch. Diesen Monat noch. Danach wird es wieder ruhiger.

Wird es aber nicht unbedingt.

Nicht, wenn du immer wieder "Ja" sagst, obwohl innen drin längst alles nach Pause ruft.

Gastronomie kann schön sein.

Aber nicht, wenn du sie nur noch obendrauf packst.

Ich will die Gastro gar nicht schlechtreden.

Ich habe fast 30 Jahre in der Gastronomie gearbeitet. Ich weiss, wie lebendig, herzlich und direkt diese Branche sein kann. Es gibt wunderbare Begegnungen, Teamgefühl, Stammgäste, gute Gespräche und diesen ganz eigenen Rhythmus, den man nur versteht, wenn man mal mittendrin war.

Aber Gastronomie braucht Energie.

Viel Energie.

Du musst präsent sein, schnell reagieren, freundlich bleiben und mitdenken. Auch dann, wenn deine Beine und dein Kopf eigentlich längst Feierabend haben.

Und genau da lag mein Problem.

Nicht die Gastro an sich war falsch. Falsch war, dass ich sie auf ein Leben obendrauf gepackt habe, das bereits voll war.

Ich wollte im Stall zuverlässig sein, im Restaurant funktionieren und bei antjes-art ja irgendwie auch noch vorankommen.

Nur für mich selbst blieb am Ende fast nichts mehr übrig.

Dann kam die Kündigung.

Nach nur einem Monat kam das Gespräch.

Kündigung in der Probezeit.

Das erste Mal in meinem Leben.

Und ganz ehrlich? Das sass.

Ich stand da und dachte: Ich? Gekündigt? Ausgerechnet ich?

Ich, die sich Mühe gibt? Ich, die immer versucht, alles richtig zu machen? Ich, die doch eigentlich nur helfen wollte?

In den ersten Minuten fühlte es sich an wie eine Ohrfeige. Nicht unbedingt wegen des Jobs an sich, sondern wegen dem Gefühl, nicht gereicht zu haben.

Dieses kleine fiese Gefühl, das sofort fragt: „War ich nicht gut genug?“

Aber dann passierte etwas Interessantes.

Unter dem Schock kam Erleichterung.

Nicht nur ein bisschen, sondern richtig. So ein tiefes inneres Aufatmen, das man nicht planen kann.

Ich merkte: Ein Teil von mir war froh.

Froh, dass jemand anderes die Reissleine gezogen hatte, weil ich es selbst nicht geschafft hatte. Froh, dass diese ständige Hetzerei vorbei war. Und froh, dass ich nicht mehr beweisen musste, dass ich alles unter einen Hut bringe.

Denn mal ehrlich: Manchmal ist der Hut einfach zu klein.

 

Was ich daraus gelernt habe

Diese Kündigung war unangenehm. Ja.

Aber sie war auch eine Korrektur.

Vielleicht sogar eine, die ich gebraucht habe.

Nicht, weil ich gescheitert bin. Sondern weil ich mich selbst fast wieder aus den Augen verloren hätte.

1.      Mein Wert hängt nicht davon ab, wie viel ich aushalte

Das war für mich die wichtigste Erkenntnis.

Ich habe lange geglaubt, fleissig zu sein bedeutet, möglichst viel zu schaffen. Viel arbeiten, durchhalten, nicht jammern, nicht absagen und niemanden enttäuschen.

Aber inzwischen glaube ich: Das ist kein Fleiss mehr, wenn du dich dabei selbst verlierst. Das ist eher ein Warnsignal.

Nur weil ich etwas kann, heisst das nicht, dass ich es auch tun muss.

Nur weil ich irgendwo gebraucht werde, heisst das nicht, dass ich mich komplett aufbrauchen sollte.

Und nur weil ich belastbar bin, heisst das nicht, dass ich mich ständig bis zur Grenze belasten muss.

Das klingt so simpel. Ist es aber nicht, wenn man gewohnt ist, erstmal für andere mitzudenken.

2.     Jedes "Ja" kostet irgendwo ein "Nein"

Das ist so ein Satz, der weh tut, weil er stimmt.

Mit meinem "Ja" zum Restaurant habe ich nicht einfach nur "Ja" zu einem zusätzlichen Job gesagt. Ich habe gleichzeitig "Nein" zu meinen freien Abenden, meiner kreativen Zeit und meinem Töpfern gesagt.

Und genau das habe ich erst gemerkt, als mir die Energie dafür komplett fehlte.

Vielleicht ist es bei dir kein Gastro-Job. Vielleicht ist es ein Ehrenamt, ein zusätzlicher Auftrag, ein Gefallen, der längst keiner mehr ist, oder dieses ständige Gefühl, für alle verfügbar sein zu müssen.

Manchmal merken wir erst spät, dass wir mit jedem "Ja" irgendwo ein Stück von unserer eigenen Zeit weggeben.

Und ja, manchmal ist das okay.

Aber nicht immer. Nicht dauerhaft. Und schon gar nicht auf Kosten von dem, was uns eigentlich gut tut.

3.     Kreative Zeit ist kein Luxus

Früher hätte ich vielleicht gesagt: „Ach, Töpfern ist ja nur mein Hobby.“

Heute sehe ich das anders.

Töpfern ist für mich nicht nur Ton, Werkzeug und Glasur. Es ist mein Ausgleich, mein Runterkommen und mein kreativer Anker.

Wenn ich töpfere, bin ich nicht die Servicekraft, die Stallarbeiterin, die Mutter, die Organisatorin oder die Frau, die alles irgendwie regeln muss.

Dann bin ich einfach ich.

Mit Ton an den Händen, einer Idee im Kopf und diesem kleinen Moment, in dem aus einem Klumpen Ton etwas Eigenes entsteht.

Das klingt vielleicht unspektakulär. Ist es aber nicht.

Denn genau solche Dinge halten uns oft mehr zusammen, als wir denken.

 

4.     Manchmal zieht das Leben die Reissleine für uns

Hätte ich selbst gekündigt?

Ehrlich?

Vermutlich nicht so schnell.

Ich hätte wahrscheinlich noch eine Weile durchgehalten, noch ein bisschen geschaut und noch versucht, es besser zu organisieren. Noch mehr geplant, noch mehr geschoben, noch mehr kompensiert.

Weil ich ungern aufgebe.

Weil ich niemanden enttäuschen will.

Weil ich manchmal erst viel zu spät merke, dass „durchhalten“ nicht automatisch die beste Lösung ist.

Die Probezeit hat das für mich erledigt.

Und heute kann ich sagen: Gut so.

Nicht angenehm. Aber gut.

Diese Kündigung war kein Weltuntergang. Sie war ein Stoppschild.

Und manchmal braucht man genau das.

  5.      Ich bin nicht gescheitert.

Ich habe mich zurückbekommen.

Dieser Gedanke kam nicht sofort.

Am Anfang war da schon dieses unangenehme Gefühl. Kündigung klingt halt erstmal nach Scheitern. Nach nicht geschafft. Nach nicht gut genug.

Aber je mehr Abstand ich bekam, desto klarer wurde mir: Ich habe nicht verloren. Ich habe etwas zurückbekommen.

Ich habe Zeit zurückbekommen. Energie. Und vor allem wieder ein Gefühl dafür, was mir eigentlich wichtig ist.

Und ja, auch meine Töpfern.

Der Ton liegt nicht mehr nur herum. Ich habe wieder Ideen und Lust, Dinge auszuprobieren. Und ich merke wieder, warum ich mir antjes-art überhaupt aufgebaut habe.

Nicht, um mich noch mehr zu stressen.

Sondern um Kreativität in mein Leben zu holen. Und irgendwann auch in das Leben anderer Menschen.

Zurück zu den Pferden. Zurück zum Ton. Zurück zu mir.

Heute stehe ich wieder im Stall.

Die Arbeit ist immer noch körperlich hart. Daran hat sich nichts geändert. Es gibt weiterhin zertretene Pferdeäpfel-Haufen, Stroh in den Haaren und Tage, an denen ich abends sehr genau weiss, was ich getan habe.

Aber meine Abende gehören wieder mehr mir (und meiner Familie).

Und das macht einen Unterschied.

Ich habe aufgehört, es allen recht machen zu wollen.

Dem Restaurant, den Erwartungen anderer, meinem eigenen Bild von der Frau, die alles schafft, und dieser inneren Stimme, die immer sagt: „Komm, das geht auch noch.“

Nein.

Manchmal geht es eben nicht auch noch.

Manchmal ist genug einfach genug.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Lektion:

Ich muss nicht überall gebraucht werden.

Ich darf auswählen.

Ich darf Nein sagen.

Ich darf meine Kraft schützen.

Und ich darf mir Zeit für das nehmen, was mich wieder zu mir bringt.

Das Töpfern bringt mich wieder zu mir zurück.

Das Töpfern ist für mich nicht einfach nur ein Hobby, das ich irgendwo zwischen Haushalt, Arbeit und Alltag reinschiebe. Es ist meine Art, wieder bei mir anzukommen. Mit den Händen arbeiten. Nicht dauernd im Kopf kreisen. Etwas formen, ohne dass es perfekt werden muss.

Vielleicht ist es bei dir auch Ton. Vielleicht ist es etwas ganz anderes.

Aber wenn du schon länger spürst, dass dir etwas Eigenes fehlt, dann nimm dieses Gefühl ernst. Such dir etwas, das dich nicht noch mehr fordert, sondern dich wieder ein bisschen zu dir bringt.

Ein Töpferkurs oder ein offenes Töpferatelier kann dafür ein guter Anfang sein. Nicht, weil du sofort wunderschöne Keramik machen musst. Sondern weil du dir für ein paar Stunden erlaubst, aus dem Funktionieren auszusteigen und einfach mit den Händen etwas entstehen zu lassen.

Falls du in der Nähe von Hausen am Albis wohnst, kannst du auch gerne bei mir im offenen Töpferatelier vorbeischauen. Dort geht es nicht um Perfektion, sondern ums Ausprobieren, Ankommen und Machen. Du brauchst keine Vorkenntnisse. Nur ein bisschen Neugier und die Bereitschaft, dir diese Zeit zu nehmen.

Denn ganz ehrlich?

Alles andere ist nie erledigt.

Aber du darfst trotzdem anfangen.

 

Wenn du spürst, dass dir genauso eine kreative Auszeit guttun würde, dann schau gerne bei meinem offenen Töpferatelier vorbei. Vielleicht ist Ton auch für dich ein guter Anfang.

Und jetzt du

Hast du auch schon einmal eine Absage, Kündigung oder ein klares "Nein" erlebt, das sich im ersten Moment schlimm angefühlt hat, aber im Nachhinein genau richtig war?

Vielleicht war es nicht schön.

Vielleicht hat es kurz weh getan.

Aber vielleicht hat es dir auch etwas zurückgegeben, das du fast verloren hättest.

Deine Zeit.

Deine Ruhe.

Und ein Stück von dir selbst.

Erzähl mir davon. Denn drüber reden verringert den Schmerz, den das Erlebnis immer irgendwie hinterlässt.

Das Ideenatelier

Mein Blog ist wie ein Atelier voller Inspirationen. Hier kannst du stöbern, entdecken und Ideen sammeln.

Lerne mich kennen:

Hey, ich bin Antje -

die kreative Seele hinter

"antjes-art".

Ich glaube fest daran, dass wir nie zu alt,

zu beschäftigt oder zu eingespannt sind, um etwas Neues zu lernen.

Perfektion ist dabei gar nicht das Ziel – der erste Schritt zählt.

Und genau diesen Schritt darfst du dir erlauben.

Mir ist wichtig, dass Lernen und Kreativität nicht schwer, sondern leicht und erfüllend sind.

Antje beim Töpfern im Atelier Allegra

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